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Public Viewing: Unser krönender Abschluss

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Abschlussgottesdienst

Foto: Stefanie Spitzer, evangelisch.de

Public Viewing der evangelisch.de-Redatkion in der Hotel-Lounge: Markus Bechtold (von links), Claudius Grigat, Frank Muchlinsky und Lena Ohm

Wir haben den Schlussgottesdienst des Kirchentags 2019 in Dortmund in unserer Hotellounge im Fernsehen verfolgt. So hat er uns gefallen.

Frank Muchlisnky: Zeit für echte Koalitionen!

Ich habe gern zugehört, als Sandra Bils gepredigt hat. Da ich mir nie alles merken kann, suche ich mir beim Predigtzuhören einen Satz aus, den ich mitnehmen und bedenken will. Ich habe gehört, dass sie gesagt hat, dass wir Christenleute uns zusammentun sollen mit anderen Leuten, die das Richtige wollen. Ich denke mir: Ja! Unsere christliche Motivation das Richtige zu tun ist eine besondere und wunderschöne. Aber um die muss es nicht gehen, wenn wir uns zusammen mit anders motivierten guten Menschen (!) für das einsetzen, was alle brauchen. Ach, und noch etwas habe ich mir gemerkt: Wir werden gebraucht. Darauf vertraue ich.

Markus Bechtold: Aufbruch ist jetzt

Das Läuten der Kirchenglocken klingt in Essen bis zu uns ins Hotel. Zeit für die Lounge, Zeit für den Fernseh-Abschlussgottesdienst. "Von guten Mächten wunderbar geborgen" erklingt durch den Signal Iduna Park hin zu uns. In der Hotellounge spielt laute Musik. Der Abschlussgottesdienst dringt trotzdem gut in unsere Ohren und wie ich feststelle, schnell in mein Herz. "Man lässt keine Menschen ertrinken! Punkt!", sagt Pastorin Sandra Bils in ihrer Predigt. "Und dann dreht sich unsere Kirchenwoche nicht nur um den Sonntag, sondern auch um den Freitag. #FridayForFuture." Sandra Bils ruft weiter dazu auf: "Wir werden gebraucht. Vielleicht mehr denn je." Kurz darauf singen alle zusammen: "Du bist heilig, Du bringst Heil". Damit ist alles gesagt.

Stefanie Spitzer: Weniger ist mehr

Für mich spiegelt der Abschlussgottesdienst die Eröffnungsfeier wider. Begann der Gottesdienst am Ostentor am Mittwoch mit persönlichen Beiträgen rund um das Thema Vertrauen und fand seinen Höhepunkt in der Predigt, beginnt er heute nun mit ihr. Pastorin Sandra Bils findet eindrucksvolle Worte und Bilder aus dem Leben und der Bibel zum Kirchentagsmotto. Kurz frage ich mich, was da im Anschluss die restlichen 75 Minuten noch kommen kann, aber dann werde ich von einem Luftballonträger, der durchs TV-Bild läuft, abgelenkt. Auch nett, junge Menschen mit großen, bunten Ballons durch das Signal Iduna-Stadion zu schicken, auch wenn sich mir der Grund nicht wirklich erschließt. Mit weiteren Predigten von Kirchentagspräsident Hans Leyendecker und der westfälischen Präses Annette Kurschus finde ich den Gottesdienst inhaltlich etwas überfrachtet und ich bin froh, dass ich nicht im Stadion schwitzen muss, sondern die Feier von der klimatisierten Hotellobby aus mitverfolgen kann.

Lena Christin Ohm: Chacka, du schaffst es

"Chacka, du schaffst es!" Dieser Satz aus Sandra Bils Predigt ist bei mir hängen geblieben. Wie sie ihn voller Elan, voller Überzeugung rausgehauen hat. Als Antwort darauf, dass wenn alles andere um uns herum bröckelt und wir nicht mehr wissen, was uns hält, wir auch auf uns selbst vertrauen können. Auf sich selbst vertrauen, auf sich selbst bauen, das ist aber nicht immer so einfach – auch davon erzählt Sandra Bils so, dass ich mich darin wiederfinde. Und sie sagt: Wenn man sich mal selbst nicht vertrauen kann, ist das nicht schlimm, denn da ist ja immer noch Gott. Ein Gott, der uns vertraut – manchmal nicht weil, sondern obwohl er uns kennt. Mit all unseren Schwächen und Unzulänglichkeiten. Mit allem, was wir lieber unter den Teppich kehren und vor der Welt verstecken würden. Bils bezeichnet uns alle als "Gottes geliebte Gurkentruppe" und ich für meinen Teil bin froh, Teil dieser Gurkentruppe zu sein.

Dass Bils in ihrer Predigt auf die im Mittelmeer Ertrinkenden, die Seenotretter und FridaysForFuture eingeht, war erwartbar – schließlich waren Seenotrettung und Klimawandel große und wichtige Themen auf dem Kirchentag. Ich persönlich hätte mir aber gewünscht, dass Bils ihre Zeit eher für andere konkrete Beispiele nutzt. Welche, die nicht sowieso schon in allen Medien rauf- und runterdiskutiert werden. Es wäre ein Augenblick gewesen, in dem man die Blicke der Menschen auf etwas hätte richten können, das sonst im Schatten steht. Ein Augenblick für all die Vergessenen, die nicht im Rampenlicht stehen. Darauf hatte ich gehofft.

Aber vielleicht wäre es auch sträflich gewesen, so eine große Bühne, so ein großes Publikum, nicht zu nutzen, um für etwas so elementares einzutreten wie den Grundsatz: "Man lässt keinen Menschen ertrinken. Punkt."

Claudius Grigat: Arschtritte und Luftballons

Es war eine wirklich schöne Bildidee: Die Luftballons, die in Grüntönen schon das Kirchentags-Artwork überall schmückten, in echt - und in bunt – im Stadion aufsteigen zu lassen. Jeder Luftballon ein Gedanke, wie Präses Anette Kurschus sagte, ein Gedanke des Vertrauens.

Das Motto des Gottesdienstes nämlich lautete "Werft euer Vertrauen nicht weg", ein Vers aus dem Hebräerbrief. Wie ein Arschtritt sei das, so Pastorin Sandra Bils in ihrer Predigt, und gleichzeitig ein Versprechen von Trost: Es kommt darauf an, es umzusetzen, das Vertrauen. Und deswegen war es gut, dass sie sich auf ganz aktuelle Themen bezog und sich eindeutig positionierte, indem sie klar machte, wofür Vertrauen notwendig ist. Im Alltag, im Kleinen – aber auch im Großen. Solidarität und Unterstützung für die "Fridays For Future"-Bewegung zum Beispiel. Und auch für die Seenotrettung im Mittelmeer und Organisationen wie "Sea-Eye" und "Sea-Watch". Für letztere und deren Aufklärungsflüge war dann auch ein Teil der Kollekte gedacht. Und auch Kirchentagspräsident Leyendecker bekräftigte noch einmal, wie wichtig es sei, die Welt menschlicher zu machen. Und dafür eben braucht es das Vertrauen, das den Mut und die Kraft und Motivation gibt: Gottvertrauen.

Und so kann es vielleicht gelingen, das zu werden, was das Motto für die Einladung zum nächsten Kirchentag ist, dem Ökumenischen Kirchentag 2021 in Frankfurt am Main: "Wolkenkratzer und Himmelsstürmer". So, wie die Luftballons im Himmel über Dortmund.


Wohlan

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Predigten von evangelisch.predigten.de

© Getty Images/iStockphoto/SauliusPetrauskas

Business man at nature working with laptop

"Was traust du Gott zu? Dass du satt wirst? Dass dir schmeckt, was du isst und trinkst? Traust du Gott zu, dass du leben wirst?" fragt Pfarrer Frank Muchlinsky in seiner Predigt. Und er fordert die Menschen auf, es zu versuchen. "Wohlan, trau Gott so viel zu, wie du kannst."

Mitfeiern oder angefeiert werden?

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Der Abschlussgottesdienst des Kirchentags 2019 im Stadion war zum Zugucken, nicht zum Mitfeiern. Schade - mit den 40.000 im Signal-Iduna-Park hätte man noch mehr machen können.

 

So richtig schön war der Abschluss-Gottesdienst des Kirchentages in Dortmund nicht. Eine Woche nach dem Großereignis im Westfalenstadion (Verzeihung: im Signal-Iduna-Park), einem der stimmungsvollsten Fußballtempel in Europa, denke ich immer noch darüber nach. Warum hat mich der Großgottesdienst im Stadion emotional so unberührt gelassen?

Die Predigt von Sandra Bils war fantastisch, gleich zu Anfang des Gottesdienstes ein echter Höhepunkt. Gottes geliebte Gurkentruppe, Glaube – Liebe – Currywurst. Die Predigt sorgte für Memes und Nachdenklichkeit. Sandra Bils' drängender, optimistischer Aufruf ist mir im Kopf geblieben: Was, wenn wir wirklich vertrauen würden? Wenn wir unsere Gremien-Bedenken hinter uns lassen und "Kirche" nicht so eng verstehen? Wenn wir uns nicht fragen, was "richtig" und "falsch" ist, sondern auf die Menschen schauen, die um uns herum sind und nur fragen: Was können wir tun, damit es dir besser geht? Es steckt ganz viel "einfach machen" in diesem Aufruf zu mehr Vertrauen. Was kann schon schiefgehen, wenn wir unsere Kirche verändern? Weniger als wir befürchten.

Aber der Rest vom Gottesdienst? Ich stand auf der Nordtribüne und hatte das Gefühl, der Gottesdienst schwappt so an mir vorbei. Die Lieder waren zum Mitsingen nicht richtig geeignet, jedenfalls nicht für mich und die Menschen auf meiner Tribüne. Nur einmal, bei der Austeilung des Abendmahls, hat die Band das Publikum zwischendurch mit einbezogen, so dass ein bisschen Gemeinsamkeit zwischen den rund 40.000 im halbgefüllten Stadion aufkam. Aber nur kurz.

Sonst hatte ich das Gefühl, angefeiert zu werden statt mitzufeiern. Meine Kolleg*innen allerdings, die den Gottesdienst gemeinsam auf dem Fernseher in der Lobby unseres Hotels in Essen verfolgten, fanden den ganzen Gottesdienst schön, nicht nur die Predigt. Tatsächlich habe ich im Stadion auch immer wieder auf die Großbildleinwand geschaut, denn nur so waren die Liturgen von meinem Platz aus überhaupt zu sehen. Das Luftballon-Arrangement, das im Fernsehen wohl richtig gut rüberkam, sah auf dem Fußballplatz ein bisschen verloren aus. Es war am Ende eben doch ein Fernsehgottesdienst, bei dem die geschätzt 40.000 Menschen im Stadion nur Statisten für die 900.000 an den Bildschirmen waren.

Nun bin ich ja kein Gegner medial vermittelter Gottesdienste. Aber mir fehlte trotzdem die Interaktion vor Ort, die einen Gottesdienst für seine Besucher gelingen lässt. Anderswann auf dem Kirchentag ging es ja auch: Am Mittwochabend war ich ganz kurz nur beim Abendsegen und Lichtermeer nach dem Abend der Begegnung, und selbst für zwei Minuten (ich musste zum Zug) war das stimmungsvoll und schön. Beim interaktiven Sublan-Gottesdienst am Samstag hat allein schon die Interaktionsmöglichkeit per Smartphone dafür gesorgt, dass ich in den Gottesdienst einbezogen war: Er wurde mit mir gefeiert, nicht für mich. (Auch wenn ich noch ausgeweitete Interaktionsformen vorziehe – eine echte Social Wall ermöglicht nämlich die Weiterführung der Gedankenstränge auch außerhalb des Gottesdienstes. Aber das ist ein anderes Thema.)

Da hat der Kirchentag aus meiner Sicht eine Chance verpasst. Übrigens auch eine Chance für die öffentliche Sichtbarkeit. Denn selbst wenn von den 40.000 im Stadion nur ein Viertel während der rund 90 Minuten das gleiche #Hashtag auf Facebook, Instagram oder Twitter verwendet hätten, wäre der Abschlussgottesdienst mit Leichtigkeit ein Deutschland-Trend geworden.

Mit mehreren 10.000 Leuten kann man eine rauschende Party in einem Stadion feiern. Der BVB macht es an Bundesligasonntagen immer wieder vor. Einem Kirchentag sollte das auch gelingen und in alle Welt posaunen. Nächste Chance: das Waldstadion (Verzeihung: die Commerzbank-Arena) 2021 beim Ökumenischen Kirchentag in Frankfurt. Da will ich dann den #Abschlussgottesdienst trenden sehen – und nicht Statist für einen Fernsehgottesdienst sein, sondern mit Zehntausenden eine Party im Namen Gottes feiern.

 

Vielen Dank für's Lesen und Mitdenken!


Im Blog Confessio Digitalis schreibe ich meine Beobachtungen, Links und Interviews zu den Themen Digitalisierung, Digitale Kirche und digitalisierte Welt auf. Ich bin erreichbar auf Twitter als @dailybug.

P.S.: Leser*innen haben mich darauf hingewiesen, dass "Digitalis" auch der Name der Fingerhut-Pflanzen ist, die zu Gift verarbeitet werden können. Das lässt den Blogtitel "Confessio Digitalis" natürlich ein bisschen fies klingen. Andererseits behandelt man mit Digitalis-Präparaten auch Herzprobleme. Und dass das digitale Herz der Kirche besser schlägt, ist mir ein Anliegen. Deswegen lasse ich den Namen des Blogs so - nehmt es als Präparat!

Schwimmender Altar vor der Loreley

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Fährgottesdienst zwischen St. Goarshausen und St. Goar, Pfarrerin Janina Franz mit Gemeinde

© Lothar Stein/epd-bild

Fährgottesdienst zwischen St. Goarshausen und St. Goar, Pfarrerin Janina Franz mit Gemeinde gestaltet den Gottesdienst

Am Aktionstag "Tal Total" bleibt das Mittelrheintal für Autos Tabu. Der Betreiber der Loreley-Fähre und die evangelische Kirchengemeinde in St. Goarshausen hatten die Idee, einen Gottesdienst auf dem Schiff anzubieten.
01.07.2019
Karsten Packeiser
epd

Als die "Loreley IV" auf die Sekunde genau um halb elf morgens ablegt, schmettert eine Blechblasgruppe den Gospel "Let my people go" ins Mittelrheintal. Zehn Minuten später, als das Schiff erneut am rechten Ufer anlegt, sind die Musiker gerade bei der dritten Strophe des Chorals "Großer Gott, wir loben dich" angekommen. Die Radler, die langsam vom Anleger auf das Fährschiff herunterrollen, schauen verwundert auf das Geschehen an Bord. Einen Gottesdienst auf einer Fähre - das hat es am Rhein noch nicht gegeben.

Eine Dreiviertelstunde lang pendelt die evangelische Kirchengemeinde von St. Goarshausen auf dem Schiff zwischen den beiden Ufern hin- und her - mit Pfarrerin, Musikern und Altar an Bord. Da das komplette Mittelrheintal wegen des Aktionstags "Tal Total" an diesem Sonntag ohnehin für Autos Tabu bleibt, hat die Kirche kurzerhand die halbe Fähre in Beschlag genommen, mit Flatterband abgesperrt und Plastik-Gartenstühle aufgestellt. Die Idee dazu hatten die Fährbetreiber selbst. Helferinnen verteilen Liedblättchen an die Passagiere, und wer will, darf mitsingen. Die meisten Ausflügler beschränken sich jedoch darauf, das Geschehen mit ihrem Smartphone festzuhalten.

Ungewöhnliche Gottesdienste im Programm

"Wussten Sie, dass auch Jesus Fähre gefahren ist?", begrüßt Janina Franz ihre Gemeinde. Weil es zwischen Mainz und Koblenz auf knapp 100 Kilometern Länge keine einzige Brücke über den Fluss gibt, spielen Fähren dort bis heute eine zentrale Rolle im Leben der Menschen. "Ich mag das, mit der Fähre zu fahren", sagt die Pfarrerin, "weil es entschleunigt." In ihrer Predigt schlägt sie den Bogen von Jesus, der laut biblischer Überlieferung den Sturm auf dem See Genezareth stillte, bis hin zum Leben im Rheintal, wo der ohrenbetäubende Lärm der Güterzüge seit Jahren viele Menschen um den Verstand bringt.

Die evangelische Gemeinde der Kleinstadt am Loreley-Felsen zieht es regelmäßig aus ihrer am Flussufer gelegenen Kirche hinaus zu ungewöhnlichen Gottesdienstorten. "Kirche aus dem Häuschen" heißt die Reihe, bei der der Altar auch schon einmal hinauf auf die Loreley gebracht oder in den kühlen Lagerräume einer Weinkellerei aufgebaut wird. Den Besuchern gefällt diese unkonventionelle Art von Kirche. "Wir dachten gleich: cool, da sind wir dabei", sagt Karina May aus einem Nachbardorf von St. Goarshausen. "Das ist auch nicht so steif, wie sonst manchmal in den Kirchen."

Nach sechs Überfahrten endet der ungewöhnliche Gottesdienst wieder am Fähranleger von St. Goarshausen. Auch manche Radler, die keine Kirchgänger sind, loben die Idee. Und bevor alle von Bord gehen, wird noch eine Kollekte gesammelt - für die Seenotretter im Mittelmeer, die nicht nur gegen den Sturm, sondern auch gegen die Ignoranz der europäischen Politik ankämpfen müssen.

Autobahnkirchen: Ruhe statt Reisestress

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Autobahnkirchen gibt es in Deutschland über sechzig Jahren. Mitten im Reisestress laden die inzwischen 44 Kapellen zu Gebet und Besinnung ein. Zum bundesweite Tag der Autobahnkirchen, der 2019 am 7. Juli stattfindet, laden viele der Kirchen und Kapellen für 14 Uhr zu Andachten und anschließendem Reisesegen ein. Mehr Infos unter www.autobahnkirche.de (dort werden einige Autobahnkirchen doppelt gezählt, da sie an zwei Autobahnen liegen, so dass man beim Durchzählen auf 47 kommt).

Dieser Artikel wurde bereits 2017 veröffentlicht.

Raststätten für die Seele: Tag der Autobahnkirchen gefeiert

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Die oekumenische Autobahnkirche Waidhaus in der Oberpfalz (Foto vom 29.07.2017).

Foto: epd

Die oekumenische Autobahnkirche Waidhaus in der Oberpfalz (Foto vom 29.07.2017).

Zum Start der Sommerferien ist am Sonntag bundesweit der "Tag der Autobahnkirchen" gefeiert worden. In vielen der 44 geistlichen Rastplätze entlang der Schnellstraßen wurde eine Andacht mit Reisesegen angeboten. In der ältesten evangelischen Autobahnkirche an der A 2 im ostwestfälischen Vlotho-Exter feierten die Besucher zum 60. Jubiläum unter dem Motto "Gott ist nicht weg!" einen ZDF-Fernsehgottesdienst. In der ehemaligen Dorfkirche suchen jährlich rund 30.000 Reisende Entspannung, Besinnung und Andacht.

In der Hektik des Alltags seien Ruhe und Besinnung selten, sagte Pfarrer Ralf Steiner in seiner Predigt. Viele Menschen seien wie auf der Flucht vor Stille, immer müsse Radio oder Fernsehen eingeschaltet sein. Oft kämen dann erst im Schlaf die Bilder hoch, die verarbeitet werden müssten. In die Autobahnkirche kommen nach Steiners Worten Menschen, die viel von zuhause weg sind und sich eine kurze Auszeit nehmen wollen. Es gebe an diesem Ort kostbare Momente der Erkenntnis, dass Gott da sei, auch wenn man wenig an ihn gedacht habe.

Autobahnkirchen gibt es in Deutschland seit rund 60 Jahren, besondere Kirchen und Kapellen am Wege exisierten jedoch schon viel länger, sagte Steiner. Eigentlich habe schon Jakob, von dem im Alten Testament berichtet wird, die erste "Autobahnkirche" gegründet: Gott habe zu ihm gesprochen, als er auf der Flucht am Wegesrand übernachtet habe. Daraufhin habe Jakob aus Stein einen Altar errichtet. Das sei die Grundsteinlegung einer ersten Autobahnkirche gewesen. 


Die über 350 Jahre alte Dorfkirche in Vlotho-Exter ist seit 1959 Autobahnkirche. Die älteste katholische Autobahnkirche entstand 1958 und steht im bayerischen Adelsried an der A 8. Ingesamt gibt es 44 Autobahnkirchen an den deutschen Schnellstraßen: 19 evangelische, acht katholische und 17 ökumenische. Über eine Million Menschen nutzen jedes Jahr das bundesweite Angebot der "Raststätten für die Seele".

Prädikant aus Überzeugung

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Klaus Büstrin in der evangelischen Kirche in Potsdam.

© Josefine Janert

Klaus Büstrin ist seit den 1960er Jahren Pärdikant.

Nicht nur Pfarrerinnen und Pfarrer predigen in der Kirche, sondern auch ehrenamtliche Prädikanten wie Klaus Büstrin aus Potsdam. An kritische Gottesdienstbesucher ist er gewöhnt.

Am 24. Dezember 1968 gegen Mittag stand die Pfarrersfrau vor Klaus Büstrins Tür: "Klaus, mein Mann ist stockheiser. Er kann nicht reden. Heute Abend sind zwei Gottesdienste. Kannst du bitte einspringen?"

Für den 24-jährigen Potsdamer kam die Anfrage plötzlich, aber er war vorbereitet. Büstrin hatte kurz zuvor in dem Thüringer Ort Neudietendorf eine vierjährige kirchliche Ausbildung abgeschlossen. Er hatte an den Wochenenden und abends gelernt - neben seinem Studium der Musikwissenschaft. Nach dem Examen in Neudietendorf durfte er sich nun Prädikant nennen oder Hilfsprediger oder "freier Mitarbeiter für Wortverkündigung", wie das Amt in der DDR genannt wurde.

Die Lieder für den Weihnachtsgottesdienst hatte der erkrankte Pfarrer festgelegt. Auch eine Predigt hatte er verfasst, aber Klaus Büstrin konnte seine Schrift nicht lesen. Also kramte Büstrin die Predigt heraus, die er vier Wochen zuvor für die Abschlussprüfung in Neudietendorf verfasst hatte. Er atmete tief durch - und machte sich auf den Weg zur Kirche. "Die Gottesdienstbesucher haben mich sofort akzeptiert", erinnert er sich. "Sie kannten mich ja und wussten, dass ich der Gemeinde verbunden bin."

Auch heute noch kennen viele Menschen in Potsdam den freundlichen älteren Herren. Das liegt einerseits an seinem Hauptberuf. Klaus Büstrin hat jahrzehntelang als Musikkritiker gearbeitet, mehrere Bücher verfasst und ist bestens vernetzt mit der örtlichen Kulturszene. Inzwischen ist er im Ruhestand. Andererseits kennen ihn die Menschen als Prädikanten.

Er hat sich angewöhnt, für jeden Sonntag eine Predigt zu schreiben, egal, ob er für den Gottesdienst in einer Potsdamer Kirche fest eingeplant ist oder nicht. Denn er hat schon häufig Gemeinden aus der Patsche geholfen. Kommt ein Anruf, holt er sein Manuskript hervor und fährt los.

Seiner Stimme ist anzumerken, dass er das Reden vor Publikum gewohnt ist. Er spricht ruhig und setzt Pausen gekonnt ein. Doch er gesteht: "Je älter ich werde, umso aufgeregter bin ich." Vor einem Gottesdienst überlegt er häufig: "Habe ich alles richtig bedacht?" Letztlich hilft ihm seine Erfahrung, mit der Nervosität fertig zu werden. Und als Christ fühlt er sich prinzipiell "wohl behütet", wie er sagt, besonders, wenn er sich im Gebet an Gott wendet: "Ich sage immer: Man muss Gott in den Ohren liegen mit seinen eigenen Anliegen und den Anliegen der Menschen, die für eine gute Sache leben."

Als Potsdamer gehört Klaus Büstrin zur Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO). Dort leitet  Christina-Maria Bammel ein Referat für Kirchliches Leben. Sie rechnet vor, dass in der EKBO rund 900 Pfarrerinnen und Pfarrer im aktiven Dienst und außerdem 180 ehrenamtliche Prädikantinnen und Prädikanten tätig sind. Wieviel Prädikanten es deutschlandweit gibt, hat noch niemand gezählt.

In ganz Deutschland sind die Hilfsprediger Gesprächspartner für Menschen in ihren Gemeinden. Wer eine praktische Frage hat oder sich mit einem Anliegen nicht gleich zur Pfarrerin wagt, der findet bei ihnen Unterstützung. Welche Aufgaben sie darüber hinaus haben und wie sie ausgebildet werden, das regelt jede Landeskirche für sich.

Die Theologin Bammel spricht nur für die EKBO, wenn sie deren Kirchengesetz von 2017 zitiert: "Prädikantinnen und Prädikanten sind im Rahmen ihrer Beauftragung zur freien Wortverkündigung und zur Verwaltung der Sakramente befähigt." Will heißen: Sie dürfen predigen, taufen und das Abendmahl austeilen.

"Ich möchte das nicht noch einmal erleben wie zwischen 1933 und 1945"

Dass es das Ehrenamt überhaupt gibt, hängt damit zusammen, dass evangelische Christinnen und Christen vom "Priestertum aller Getauften" ausgehen: Die Bibel auszulegen, das ist kein Vorrecht von Geistlichen. Das Wort zu verkünden, ist in den Augen vieler Menschen eine ehrenvolle Aufgabe. Die EKBO sieht deshalb vor, dass die Prädikantinnen und Prädikanten eine "angemessene Kleidung" tragen. Manche legen einen Talar oder eine Albe an, ein langes, weites Gewand in einer hellen Farbe. Klaus Büstrin holt den guten Anzug aus dem Schrank.

Er wurde als Kind getauft, doch seine Familie ging selten in den Gottesdienst. Sein Vater war im Krieg gefallen. Die Nachmittage bei den Jungen Pionieren, der sozialistischen Jugendorganisation der DDR, fand Klaus Büstrin "so dröge und langweilig, dass mich das einfach nur abgestoßen hat". Eines Tages nahm ihn jemand mit zur Christenlehre: "Wir haben zusammen gesungen. Das war so lebendig! Die Gemeindepädagogin war eine ganz Liebe. Ich fühlte mich dort hingezogen."

Klaus Büstrin über seine Ausbildung als Prädikant in der DDR.

Bald bekamen seine Lehrer mit, dass er regelmäßig in die Kirche ging. Es folgte der DDR-typische Rüffel. Wenn er so weiter mache, könne Klaus nicht aufs Gymnasium und auch nicht studieren, ließen sie seine Mutter wissen. Sie verteidigte ihn konsequent: "Mein Klaus geht dorthin, wo's ihm Freude macht. Ich möchte das nicht noch einmal erleben wie zwischen 1933 und 1945, das gesagt wird, wo man hinzugehen hat, was man glauben darf", erinnert sich Büstrin an ihre Worte. "Ich fand das großartig von ihr. Das hat mich sehr bewegt, und ich dachte: Ja, das hier ist mein Platz."

Er wollte sogar Pfarrer werden. Aber das fand seine Mutter in der DDR doch zu heikel. Die vierjährige Ausbildung zum Prädikanten war der Kompromiss, auf den sie sich einigten. In Neudietendorf findet seit 1960 Kirchlicher Fernunterricht statt.

Prädikant in der EKBO

Heute dauert der theoretische Teil der Ausbildung zweieinhalb Jahre und umfasst die Fächer Altes und Neues Testament, Kirchengeschichte mit Ökumenik, Systematische und Praktische Theologie.

In der EKBO folgt eine praktische Ausbildung, die vom Amt für kirchliche Dienste organisiert wird und auf die Tätigkeit in der Gemeinde vorbereitet. Anschließend wird der Prädikant zunächst für sechs Jahre in sein Amt berufen, eine Zeitspanne, die verlängert werden kann. Eigentlich soll in der EKBO für den kollegialen Austausch zwischen den Prädikanten und den anderen Mitarbeitern der Kirche gesorgt werden. Doch Klaus Büstrin meint, dass dieser Austausch in Potsdam nur selten stattfindet.

"Sie wollten einen schönen Gottesdienst ohne Probleme"

Als Prädikant lotete er aus, wieviel man in der DDR gerade noch öffentlich sagen durfte. Die Leute hätten ja von der Kirche erwartet, dass dort kritische Worte fallen, sagt er. Oft hatte er den Eindruck, dass jemand von der Staatssicherheit im Gottesdienst saß und genau zuhörte. Im Potsdamer Stadtteil Eiche, wo er häufig predigte, unterhielt die Stasi eine Hochschule für ihre Mitarbeiter. Doch Probleme hatte Büstrin nie.

Oft predigte er vor Handwerkern und Bauern, die in der DDR-Zeit in Potsdam und Umgebung lebten. "Sie wollten einen schönen Gottesdienst ohne Probleme", erinnert er sich. Ab 1990 veränderte sich die Bevölkerung der Stadt. Bildungsbürger und Künstler zogen nach Potsdam. Sie sind kritische Zuhörerinnen und Zuhörer, die länger über ein Thema nachdenken wollen: "Sie sprechen mich dann auch an: 'Ihre Predigt war heute wunderbar.' Oder: 'Ich hab's nicht verstanden.' Oder: 'Können wir noch mal darüber reden?'"

Sonntagsgottesdienst für immer weniger Gläubige attraktiv

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Der übliche Gottesdienst am Sonntagmorgen ist zunehmend nur noch für Ältere und ehrenamtlich Engagierte attraktiv. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der Liturgischen Konferenz in der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).

"Angesichts schwindender personeller und finanzieller Ressourcen, vor allem aber mit Blick auf die geringe Reichweite sollte vielerorts engagierter und ergebnisoffener über seinen Fortbestand diskutiert werden", schreiben die Autoren über den Sonntagsgottesdienst. Am Dienstag wurde eine erste Auswertung der Studienergebnisse in Hannover veröffentlicht. Im Herbst sollen die Ergebnisse auf einer Tagung diskutiert werden.

Nach wie vor ist der Weihnachtsgottesdienst einer der wichtigsten Gottesdienste im Kirchenjahr, gerade für Menschen, die selten oder sonst gar nicht in die Kirche gehen. Auch die sogenannten Kasualien wie Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen gehören laut der Studie zu jenen kirchlichen Angeboten, die viele Menschen ansprechen. Neue Kasualien wie etwa Gottesdienste zur Einschulung und andere Gottesdienste, die Lebensereignisse begleiten, sprechen deutlich mehr Menschen an als der klassische Sonntagsgottesdienst. Letzterer bleibe aber für das Image des Gottesdienstes prägend, schreiben die Autoren der Studie.

Die Studie kommt zu dem Schluss, dass weniger das Geschlecht und der Bildungsstand einen Einfluss darauf haben, ob und wie oft jemand in den Gottesdienst geht. Vielmehr seien das Alter und die Kirchenbindung entscheidend. Der Grad der eigenen Religiosität und die Gottesdienstgestalt seien ausschlaggebende Motive, die für oder auch gegen einen Kirchgang sprechen. Daraus folge, dass es um mehr gehe als um eine "ansprechende Verpackung religiöser Inhalte oder das Schaffen günstiger Gelegenheiten", schreiben die Autoren. Es gehe um religiöse Bildung. Wer als Kind häufig Gottesdienste besucht hat, der tue dies auch als Erwachsener.

Für die Studie wurden die Daten von etwa 10.400 Menschen ausgewertet, die zwischen März und Juli 2018 an einer Befragung teilgenommen hatten. Insgesamt beteiligten sich mehr als 12.000 Personen - laut Studien-Verfassern eine "erstaunlich" hohe Zahl. 90 Prozent der Befragten gaben an, evangelisch zu sein. Knapp 80 Prozent sagten, sie fühlten sich der Kirche verbunden.

Auf einer Auswertungstagung in der Evangelischen Akademie Loccum vom 13. bis 14. September 2019 sollen die Ergebnisse ausführlicher vorgestellt und diskutiert werden.


Beten am Ballermann

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Strandgottesdienst der Initiative Reach Mallorca

©RoyalPictures

Strandgottesdienst der Initiative Reach Mallorca

Strandgottesdienste für Party-Touristen auf Mallorca: Bereits seit zehn Jahren gebe es das Angebot an der Party-Meile Ballermann, teilte das mitveranstaltende Missionswerk Gospeltribe am Dienstag in Karlsruhe mit.

Organisiert werden die Gottesdienste gemeinsam mit der Jugendmissionsgemeinschaft Bielefeld und "Campus für Christus" aus der Schweiz. Insgesamt beteiligen sich rund 130 Teilnehmer vor allem aus Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen an der Initiative "Reach Mallorca".

Geplant seien für dieses Jahr vom 5. bis 13. August 16 etwa 30-minütige Gottesdienste vor dem "Mega Park" an der Platja de Palma. Themen seien "Party, Sex und Sonnenbrand und was Gott zu diesen Dingen sagen würde". Die Veranstalter rechnen mit bis zu 200 Besuchern je Gottesdienst.

Jeden Abend sei in der britischen Partyzone zudem ein Team von jungen Christen unterwegs, die betrunkene Mallorca-Besucher sicher in ihr Hotel zurückbringen. Die sogenannten Street Angels seien an ihren gelben Warnwesten zu erkennen. "Würde Jesus heute über die Erde laufen, wäre er auch am Ballermann. Davon sind wir überzeugt", sagt Mitorganisator Johannes Baumann aus Bielefeld.

"Pfarrer, würdest du zu uns kommen?"

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Taufe im Freibad

© epd-bild/Reinhard Regler

Taufe im Wasser des Naturfreibades in Hirschbach (Landkreis Nürnberg) im Juli 2018.

Pfarrer Gerhard Durst tauft am Sonntag im Freibad sechsjährige Zwillinge
Im Wasser des Hirschbacher Naturfreibads werden an diesem Sonntag (14. Juli) zwei sechsjährige Buben getauft. Ein solcher Tauf-Gottesdienst unter freiem Himmel mit Badegästen findet in dem kleinen Ort im Landkreis Nürnberger Land bereits zum dritten Mal statt. Der evangelische Pfarrer Gerhard Durst bereitet sich gerade auf seine Predigt vor.

Wie kommt man denn auf die Idee, im Freibad zu taufen?

Gerhard Durst: Ganz salopp gesagt, wenn der Berg nicht zum Propheten kommt... Wir veranstalten viele Gottesdienste im Grünen, und die werden viel besser angenommen als die normalen Sonntagsgottesdienste. Die Sache mit der Taufe hat sich ergeben, als der sehr rührige Badverein vor zwei Jahren ein Badfest veranstaltete und zu dem Anlass der Enkel des Badvereins-Vorsitzenden getauft wurde. Damals sollte das eine einmalige Sache sein. Aber im letzten Jahr waren es ein fünfjähriges Vorschulkind und ein Mädchen, das ich in der fünften Klasse im Religionsunterricht hatte, da hat das auch Sinn gemacht. Und in diesem Jahr sind es zwei Buben, Zwillinge, die richtige Wasserratten sind und wilde Kerle, da ist es auch richtig. Einen Säugling würde ich im Freibad auf keinen Fall taufen.

Würden Sie Ihren Pfarrerskollegen als Modell empfehlen: Taufen im Freibad?

Durst: Ich würde ihnen immer raten, geht raus, feiert Gottesdienst nicht nur hinter Gemäuer. Wir müssen schauen, wo können wir noch Gottesdienste anbieten, und es soll auch umgekehrt sein, die Menschen müssen uns bitten, "Pfarrer, würdest du zu uns kommen?'"

Naturfreibad in Hirschbach.

Es gibt aber auch schon viele wunderbare Modelle: Gottesdienste im Festzelt beim Feuerwehrjubiläum, am Berg oder in der Kneipe. Vom traditionellen Sonntagsgottesdienst würde ich nicht abrücken, denn es gibt auch die Gottesdienstbesucher, denen der kostbar ist, und den Jüngeren schadet er ja nicht.

Was wollen Sie tun, damit eine Taufe von Badegästen nicht nur als ein "Event" angesehen wird?

Durst: Wir sind hier im Hirschbachtal nicht im städtischen Kontext, wo die Gefahr vielleicht bestünde. Aber in der Dorfgemeinschaft haben wir andere Strukturen, und ich würde auch nie jemand taufen, der von außerhalb der Kirchengemeinde ist. Eine Taufe soll ein Sakrament in einen Gottesdienst vor der Gemeinde sein.

Aus der Kirche direkt an den Traumstrand

Wie ich in der Sauna Fische fing

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Irgendwo in Nordrhein-Westfalen, in einer kleinen und eher zufällig entdeckten Saunalandschaft, studiere ich den Aufgussplan auf dem Flatscreen im Eingangsbereich. Zwischen so Gewöhnlichem wie „Citrustrilogie“ oder „Eis auf Heiß“ lese ich eben auch „Event-Sauna“. Achtung: Spoiler-Alarm! —> Tolle Erfahrung

Licht aus! Da sitze ich nun, auf Holz, mit ca. dreißig anderen nackten Menschen, in einem stockdunklem Raum. Der Saunameister betritt die Dunkelheit und spricht: "Herzlich Willkommen in Irland" und sofort setzt auch schon die Musik ein. Die Wände der Sauna, erstrahlen in verschiedenen Grün- und Gelbtönen. Zusammen mit dem Heublumenduft des Aufgusses und der sich allmählich ausbreitenden Hitze, schweife ich in meinen Gedanken zu einer sattgrünen Wiese. Während der Wedel an mir vorbeigeht fühle ich die warmen Sonnenstrahlen auf meinem Gesicht. Das Wippen meiner Füße im Takt der Musik fühlt sich an, als liefe ich wirklich über diese irischen Wiesen. 

Simon Petrus und andere Jünger waren zusammen und Simon Petrus sagte: "Ich gehe jetzt!""Wir kommen mit" meinten die anderen. So kamen sie zu einem Ufer und dort stiegen sie in ein Boot und fuhren los.

In der Sauna gehen die Jalousien hoch, der Saunameister reißt alle Fenster und die Tür auf, alles erstrahlt in Blau- und Türkistönen. Wir haben die Wiesen überquert, sind am Meer angekommen. Die Wellen um uns herum tosen, die Möwen kreischen, vom Schwitzen habe ich einen salzigen Geschmack im Mund und meine Nase vernimmt den Duft der Meeresbriese. Die Meeresluft wird mir mit einem Regenschirm zu gefächert. Sie erfrischt und kühlt mich. Die Kraft des Wassers nimmt mich ein. Ich stehe an den Klippen und schaue auf die Wellen, die sich am Ufer brechen. Das Meer mit all seiner Gewalt und seiner Schönheit liegt direkt vor mir. Das fühle ich,

Aber während der ganzen Nacht fingen sie keinen einzigen Fisch. Im Morgengrauen stand Jesus am Ufer. Er forderte sie auf: "Werft die Netze auf der rechten Seite des Bootes aus, dann werdet ihr einen guten Fang machen!" Sie folgten seinem Rat und fingen so viele Fische, dass sie das Netz nicht mehr einholen konnten und fast untergingen. Als sie aus dem Boot stiegen, sahen sie ein Kohlenfeuer, auf dem Fische brieten.

Weil es angefangen hatte zu regen, flüchteten wir in einen Pub. Dort riecht es bei unserer Ankunft bereits nach Whisky und es ist sehr heiß, in der Ecke nämlich brennt ein Kamin. Es herrscht ausgelassene Stimmung, einige singen alte Seemannslieder und andere klatschen im Takt der Musik. Die nackten Füße auf dem Holz bewegen sich. Unser Wirt ist unser schwitzender Saunameister, den wir im Takt der Musik antreiben, es noch heißer zu machen. Das Schwitzen wird zum Feiern! Gemeinsam, völlig fertig von der Hitze und der Anstrengung, sind wir dreißig jetzt im Pub angekommen. Es ist heiß, es ist hart, aber zusammen wird es zum Fest. Ohne jeden Zweifel, ich sitze neben den anderen an einer Theke und trinke feinsten Whisky. Angekommen, endlich.

Jesus bat die Jünger: "Bringt ein paar von den Fischen her, die ihr gefangen habt!" Simon Petrus ging zum Boot und zog das Netz an Land. "Kommt her und esst!" sagte Jesus. Er ging auf sie zu und verteilte die Fische.

Noch nie hat ein Wasser so gut geschmeckt, noch nie war Luft so angnehm, wie nach diesem Aufguss. Ich war mit dabei, mit unterwegs! Und als ich nach der Reise vor dem Saunahäuschen in der Sonne stand, tief einatmete und innerlich lachte, da war es, als hätte ich auch Fische gefangen.

Wann Menschen Gottesdienst feiern wollen

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Gottesdienst

© Rawpixel/iStockphoto/Getty Images

Eine Familie verfolgt den Gottesdienst. Die Umfrage ergibt: Wer als Kind häufig Gottesdienste besucht hat, wird dies mit einiger Wahrscheinlichkeit auch als Erwachsener tun.

Warum gehen Menschen heute zur Kirche? Pastorin Julia Koll leitet die Arbeitsgruppe zur "Kirchgangsstudie 2019" der Liturgischen Konferenz der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Im Interview erzählt sie, was Menschen bewegt, einen Gottesdienst zu besuchen und was sie daran hindert.

Frau Koll, wie ist es um den Sonntagmorgengottesdienst bestellt?

Julia Koll: Als wir die Ergebnisse der "Kirchgangsstudie 2019" auswerteten, haben wir oft genickt und gesagt: "Ja. Das haben wir so oder so ähnlich erwartet." So war es mit den Ergebnissen rund um den Sonntagmorgengottesdienst. Wer diesen klassischen Gottesdienst besucht, ist meist kirchlich engagiert. Auch die grobe Regel "je älter, desto häufiger der Kirchgang" hat sich bestätigt. Für ein Drittel aller Befragten kommt dieser Sonntagsgottesdienst dagegen gar nicht in Frage. Zugleich ist er noch immer das Symbol der Kirchlichkeit schlechthin – eine durchaus spannungsvolle Beobachtung!

Weihnachten, Taufe, Hochzeiten, Beerdigungen oder auch andere  Anlässe, wie die Einschulung des Kindes, ziehen Menschen in die Gottesdienste. Was kann die evangelische Kirche daraus lernen?

Koll: Für mich ist "Relevanz" das entscheidende Stichwort. Wann ist oder wird für mich etwas wichtig? Bei den Kasualien und auch bei der Gestaltung des Jahreskreises spüren Menschen diese Relevanz stärker als in der Routine des sonntäglichen Gottesdienstes. Ich denke, wir müssen uns darum kümmern, dass Menschen jeden Lebensalters einen Zugang zu religiösen Praktiken und Ritualen finden. Das bedeutet auch den Umgang mit einer gewissen Langeweile, die eintritt, wenn Sachen zum wiederholten Mal gemacht werden. Wer als Kind häufig Gottesdienste besucht hat, der wird dies mit einiger Wahrscheinlichkeit auch als Erwachsener tun. Aber nicht nur Konfirmand*innen sollten Religion und ihre Rituale vermittelt werden. Es geht hier vielmehr um ein lebenslanges Lernen.

Ihre Studie geht von der Beobachtung aus, dass das gottesdienstliche Leben in den vergangenen Jahrzehnten immer weiter vervielfältigt hat. Was heißt das?

Koll: Es gibt heute einfach eine große Fülle verschiedener Gottesdienstformen. Denken Sie nur an Stadtteil- oder Familiengottesdienste, an den Gottesdienst nach einem Terroranschlag oder Film-, Kunst- oder Literaturgottesdienste oder beispielsweise eine Taizé-Andacht. Wir haben die Menschen gefragt, welchen Gottesdienst sie als letztes besucht haben, und aus diesen über 9.000 Antworten erinnere ich zum Beispiel Friedensgebete oder Gottesdienste zu politischen Themen, beispielsweise den Ausschwitz-Gedenktag, den Bereich Umwelt, Schöpfung und Spiritualität. Wir sind davon ausgegangen, dass das gottesdienstliche Leben heute immer vielfältiger wird. Allerdings mussten wir feststellen, dass sich das flächendeckend gar nicht sagen lässt. Nicht überall werden Abend- oder alternative Gottesdienste gefeiert. In der Stadt ist das Angebot tendenziell größer als auf dem Land. Es hängt aber auch von den einzelnen Akteur*innen ab, und auch die jeweilige Landeskirche spielt eine Rolle und welche Anreize sie für alternative Gottesdienstformen schafft. Interessanterweise fällt Menschen beim Wort "Gottesdienst" aber nach wie vor aber vor allem die von vielen als langweilig und überholt empfundene Veranstaltung am Sonntagmorgen ein. Letztlich wird Kirche wieder auf den Sonntagmorgen als das älteste und traditionsreichste "Format" reduziert. Die Fülle der realexistierenden Gottesdienstformate bekannt zu machen, ist eine zentrale Herausforderungan die kirchliche Öffentlichkeitsarbeit.

"Der Sonntag scheint ein günstiger Tag für Gottesdienste zu sein"

Wann wäre Ihrer Meinung nach eine gute Gottesdienstzeit? 

Koll: In der Breite scheint der Sonntag ein günstiger Tag für Gottesdienste zu sein. Die anderen Wochentage sind lediglich für die Menschen interessant, die eher seltener einen Gottesdienst besuchen. Und für einen regelmäßigen Gottesdienst fallen bei vielen die Tage zwischen Montag und Donnerstag aus. Was nicht heißen muss, dass man am Anfang der Woche nicht auch einmal das ein oder andere veranstalten kann. Menschen, die seltener einen Gottesdienst besuchen, bevorzugen dagegen den Freitag- und Samstagabend. Bei allen sind meist die frühen Abend- oder Spätnachmittagstermine begehrt. Ein guter Kompromiss scheint mir der Sonntagabend, der an vielen Orten schon praktiziert wird. So ein Abendgottesdienst hat auch atmosphärisch noch mal ganz andere Potentiale.

Sie stellen fest, dass das Interesse an der Predigt hoch ist, während die Feier des Abendmahls das Gros der Befragten weniger zum Gottesdienstbesuch motiviert. Wie lässt sich das erklären?

Koll: Das Abendmahl ist möglicherweise nicht der Auslöser, weshalb Menschen einen Gottesdienst besuchen. Aber wenn sie einmal da sind, feiern viele es trotzdem gern mit. Die Predigt hingegen spiegelt das klassische Bild wider, das die Menschen von einem evangelischen Gottesdienst im Kopf haben. Sie gehört einfach dazu und ist ja auch das zeitlich längste Element im Gottesdienst. Das Abendmahl wird hingegen nicht regelmäßig und je nach Region unterschiedlich gefeiert. In alternativen Gottesdiensten taucht es gar nicht auf. Von vielen Menschen wird es mit dem Sonntaggottesdienst in Verbindung gebracht. Und weil der Sonntagsgottesdienst an vielen Orten darbt, leidet möglicherweise auch das Abendmahl darunter.

Und was erwarten Menschen von der Predigt?

Koll: Die Menschen sind sehr verschieden. Und das Ausmaß der Verschiedenheit der Menschen wächst. Während die einen eine Predigt als gut erleben, turnt dieselbe Predigt andere Menschen ab. Vermutlich wird es nicht möglich sein, alle auf einmal zufrieden zu stellen. Das muss man sich klarmachen. Denn wir geraten leicht in einen Machbarkeitswahn.

Was sollten Pfarrer*innen bei der Gestaltung ihres nächsten Gottesdienstes berücksichtigen?

Koll: Sie sollten sehr überlegt handeln. Der Gedanke des "One size fits all" (Übersetzung der Redaktion: "Einheitsgröße"), jeden Sonntag einen Gottesdienst halten zu können, der für alle passt, funktioniert nicht mehr, zumindest nicht als regelmäßiges Format. Aus dieser Schwierigkeit kommen wir nicht heraus. Wenn man nun jeden Sonntagmorgen einen Gottesdienst anbietet, muss man sich überlegen, für wen man diesen gestaltet. Sowohl die Älteren als auch die kirchlich engagierten Menschen im Gottesdienst erwarten Unterschiedliches. Wenn dann noch jemand zufällig den öffentlichen Gottesdienst besucht, ist es für die Gottesdienstgestaltenden schwierig, alle Erwartungen und Vorlieben zu erfüllen und dafür zu sorgen, dass sich keiner heillos fremd fühlt. Hilfreich sein kann, auf die einzelnen Interessen und Vorlieben der Menschen vor Ort einzugehen. Wir haben auch festgestellt, dass Befragte zwischen 31 und 45 Jahren in der Familienphase ein insgesamt gedämpftes Interesse am gottesdienstlichen Leben haben.

Wo sollten Gottesdienste gefeiert werden?

Koll: Das Feiern von Gottesdiensten im Kirchenraum ist ein bisschen beliebter als im Freien. Kirchenräume haben offensichtlich an sich schon eine Kraft und motivieren Menschen zum Gottesdienstbesuch. Wer häufiger Kirchgänger ist, also ein bis zweimal im Monat, bringt eine gewisse Experimentierfreude mit. Diese Menschen sind sicherlich für neue Orte und Gottesdienstformen eine interessante Zielgruppe.

"Das Fröhliche kann man ausdrücken"

Was suchen Menschen in der Kirche?

Koll:"Gottes Gegenwart und Kraft in Wort, Gebet, Lied erleben wollen", "Gebet, Stille, das Abschalten vom Alltag", "innehalten, die Welt von oben betrachten" oder das Erleben von Gemeinschaft sind nur einige Beispiele. Menschen wollen von der Atmosphäre des Gottesdienstes angesprochen werden. Man muss sich klarmachen, dass Menschen nicht etwa den Gottesdienst nicht besuchen, weil sie keine Zeit haben, sondern weil er ihnen dann einfach nicht so wichtig ist. Das tut ein bisschen weh. Ins Positive gewendet heißt das aber: Die Menschen suchen im Gottesdienst Religion. Kirche und Gottesdienste werden offensichtlich stärker mit Problemen im Leben, mit Bedürfnis nach Trost, Halt und Orientierung identifiziert als mit Ausdruck von Freude, Dankbarkeit und gelingendem Leben. Auf die Frage "Was sind Gründe für den selteneren Besuch?" in der Studie war eine Antwort: "Alles läuft perfekt im Leben". Wenn also alles perfekt läuft, muss man nicht in den Gottesdienst gehen. Das kann uns natürlich nicht schmecken. Trotzdem zieht sich diese depressive Grundstimmung, Jenseitssehnsucht, Weltvertröstung bis in die Auswahl einzelner Lieder im Gesangbuch. Über das Feiern, das Freudige, das Helle, lässt sich möglicherweise auch gar nicht so viel sagen kann. Dabei kann man das Fröhliche ausdrücken. Das ist aber offensichtlich in unserer gegenwärtigen Gottesdienstpraxis weniger gängig.

Und wie gelangen Menschen an die Information, wo was in einer Gemeinde gefeiert wird?

Koll: Die Schaukästen braucht man nicht. Der Gemeindebrief bleibt ein zentraler Anker für die Vermittlung von Gottesdienstterminen. Ihn abzuschaffen ist keine Option, aber die Verzahnung mit dem Online-Angebot wird wichtiger. Kirche muss im Internet präsent sein, weil die Menschen online sind. Und zwar immer aktuell und auf verschiedenen Kanälen. Das ist viel wichtiger als dass die Gottesdienstzeiten in der lokalen Zeitung angekündigt werden. Mit dem "Gemeindebrief" und einem zusätzlichen Angebot im Internet kann man zugleich lokal und aktuell sein.

Die "Kirchgangsstudie 2019" wurde von der Liturgischen Konferenz in der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in Auftrag gegeben. Mehr als 12.000 Menschen haben sich zwischen März und Juli 2018 beteiligt. 90 Prozent der Befragten gaben an, evangelisch zu sein. Insgesamt gaben über 83 Prozent an, sich der Kirche sehr oder ziemlich verbunden zu fühlen. Die Ergebnisse sind eine Momentaufnahme für das 2018.

Diskussion über die Ergebnisse:

Die Ergebnisse der Studie sollen in der Evangelischen Akademie Loccum vom 13. bis 14. September 2019 ausführlicher vorgestellt und diskutiert werden: "Faktoren des Kirchgangs heute: Ergebnisse - Interpretationen - Konsequenzen."; in Zusammenarbeit mit der Liturgischen Konferenz und dem Pastoralkolleg Niedersachsen.

Gottesdienst aus dem Computer

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Liturgie für einen gelungenen Taufgottesdienst

© Getty Images/iStockphoto/kzenon

Den richtigen Namen von Täufling, Eltern und Paten eintippen und schon spuckt eine Internetseite die komplette Liturgie für einen gelungenen Taufgottesdienst aus.

Liturgie-Generator aus Württemberg hilft bei Gottesdienst-Vorbereitung
Die Evangelische Landeskirche in Württemberg setzt aufs Digitale. In dieser Woche geht eine Art "Gottesdienst-Generator" an den Start. Pfarrer geben wenige Daten ein und bekommen die komplette Liturgie für die Feier ausgedruckt.

Die Digitalisierung erobert nun auch den Gottesdienst - zumindest in der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. In dieser Woche geht ein neues Internetangebot an den Start, das Pfarrern die Vorbereitung einer Tauffeier wesentlich erleichtern soll. Namen von Täufling, Eltern und Paten eintippen, Datum des Taufsonntags eingeben - und schon spuckt eine Internetseite die komplette Liturgie aus. Das neue Tool ist Teil des Digitalisierungsprojekts der Evangelischen Landeskirche in Württemberg.

Bislang mussten Pfarrer meistens auf Agenden (Gottesdienstbücher) zurückgreifen. Bei einer Taufe schrieben sie dort mit Bleistift den Namen des Täuflings hinein, um ihn im Gottesdienst richtig vorlesen und danach wieder ausradieren zu können. Da fast alle Theologen solche Feiern inzwischen am Computer vorbereiten, stieg der Wunsch nach einer digitalen Vorlage.

Ursprünglich wollte Frank Zeeb, Kirchenrat der württembergischen Landeskirche, der gedruckten Taufagende eine DVD mit Textdateien beilegen. Er ließ sich dann aber überzeugen, dass der Fortschritt schon weiter ist, denn viele Computer besitzen kein DVD-Laufwerk mehr. Deshalb entschied man sich für eine Internetlösung. Pfarrer tragen nur noch die individuellen Daten auf einer geschützten Seite ein, den Rest erledigt eine Datenbank.

Ein Werkzeug für Taufen, aber auch normale Gottesdienste

Das auszudruckende Formular enthält voreingestellt alle wichtigen Elemente, darunter den für den jeweiligen Sonntag bestimmten Predigttext, die liturgische Farbe sowie den biblischen Wochenspruch und das Wochenlied, Psalmen und Segensgebet. Das Programm unterscheidet auch zwischen männlichen und weiblichen Täuflingen und setzt bereits die richtigen Pronomen (seine/ihre) ein.

Die Seite enthält dazu weiteres Material: Tauftexte lassen sich in anderen Sprachen herunterladen, darunter englisch, arabisch, persisch und russisch. Wer auf seinem Computer das komplette Taufbuch lesen möchte, kann es sich ebenfalls auf seine Festplatte überspielen.

Da Taufen ganz überwiegend in normalen Sonntagsgottesdiensten stattfinden, erfüllt das neue Angebot gleich einen zweiten Zweck: Die Vorlage kann auch für jeden Sonntag ohne Taufe genutzt werden, ist also für Pfarrer geradezu ein Alltagswerkzeug. Aufgrund der speziellen Gottesdienstform in Württemberg, die sich von der anderer evangelischer Kirchen unterscheidet, hätte eine Öffnung der Internetseite für Mitarbeiter anderer Landeskirchen allerdings wenig Sinn. Interessant sind allenfalls die Übersetzungen in anderen Sprachen, wonach eine pfälzische Pfarrerin, die mit Flüchtlingen arbeitet, bereits gefragt habe, berichtet Kirchenrat Zeeb.

Die Taufagende ist erst der Anfang. Im kommenden Jahr ist die Digitalisierung der Trauagende geplant, über die im Herbst die Landessynode entscheiden wird. Weitere Agenden, etwa für Bestattungen oder Konfirmationen, sollen folgen.

"Unser Projekt zeigt: Die Digitalisierung hat nun auch einen Platz im Kernbereich unserer kirchlichen Arbeit gefunden, nämlich in Gottesdienst und Wortverkündigung", erläutert Zeeb. Er denkt schon einen Schritt weiter und kann sich gut vorstellen, dass statt Ringbüchern mit ausgedruckten Liturgien immer häufiger Tabletcomputer zum Einsatz kommen, auf denen die gottesdienstlichen Texte zu lesen sind.

Die komplette Tauffeier ist mit dem Internetservice indessen noch nicht vorbereitet. Für die Predigt beispielsweise gibt es nur einen Platzhalter. Doch für deren Vorbereitung sollte durch das einfach zu handhabende Formular künftig etwas mehr Zeit sein.

Akademie Loccum beleuchtet neue Kirchen-Konzepte

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Angesichts zunehmender Kirchenaustritte beschäftigt sich die Evangelische Akademie Loccum bei Nienburg im zweiten Halbjahr 2019 mit neuen Konzepten kirchlichen Lebens.

So untersucht eine Tagung am 13./14. September die "Faktoren des Kirchgangs heute", wie aus dem neuen Programmheft hervorgeht. Dabei geht es um die Frage, was Menschen motiviert, einen Gottesdienst zu besuchen, und was sie daran hindert. Die Tagung "Mission possible?!" am 1./2. November beleuchtet zudem die missionarische Arbeit der Kirchen. Eine Tagung vom 25. bis 27. Oktober fragt nach dem evangelischen Verständnis von Familie.

Nach der jüngsten kirchlichen Jahresstatistik traten im vergangenen Jahr rund 220.000 Mitglieder aus der evangelischen Kirche und knapp 216.000 Menschen aus der katholischen Kirche aus. Die Zahlen sind steigend. Auch in Niedersachsen nehmen die Austritte zu. Im Bereich Politik steht vom 3. bis 5. September unter dem Titel "Killerroboter" die Rüstungskontrolle autonomer Waffen im Blickpunkt der Akademie. Die Tagung "Vom Terror überfordert?" beleuchtet am 12./13. Dezember die Strukturen der Inneren Sicherheit in Deutschland. Außerdem geht es im November um Italien unter seiner populistischen Regierung, um die "Plastikflut" und was sich dagegen tun lässt, um den Insektenschutz sowie vom 25. bis 27. September um das Thema "Leben mit Wolf, Bär und Luchs".

Tagungen mit besonderer Ausrichtung auf Schulen beschäftigen sich mit Antisemitismus. Insgesamt bietet die Akademie von August bis Dezember 30 Tagungen an. Die Evangelische Akademie Loccum gehört zu den ältesten und renommiertesten unter den 17 evangelischen Akademien in Deutschland. Zu ihren jährlich etwa 70 Fachtagungen kommen rund 5.000 Besucherinnen und Besucher.


Kretschmann geht zum Beten auf den Berg

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Glaubenstreffen auf dem Jusi

© epd-Bild/Markus Klein

Seit 100 Jahren gibt es das pietistische Glaubenstreffen auf dem Jusi-Berg im Kreis Esslingen. Zum Jubiläum am 28. Juli kommen Ministerpräsident Kretschmann und Landesbischof July.

Seit 100 Jahren Glaubenstreffen auf dem Jusi
Die Jusi-Gemeinschaftsfeier ist ein Unikum in der württembergischen Kirchenlandschaft: Seit 100 Jahren wandern jeden Sommer Hunderte zu einem Glaubenstreffen auf den Berg Jusi bei Neuffen im Landkreis Esslingen. Zum Jubiläum am 28. Juli haben der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) und der württembergische evangelische Landesbischof Frank Otfried July ihr Kommen zugesagt.

Alle Jahre wieder wird an einem Sonntag im Hochsommer zu einem ganztägigen, locker gestalteten Glaubenstreffen unter freiem Himmel auf den Gipfel des Jusi-Berges eingeladen. Dieser Brauch entstand im Jahre 1919. Damals, unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg, lag die Welt in Trümmern. Der Krieg war verloren, das Kaiserreich ruhmlos zu Ende gegangen, der "Friedensdiktat" empfundene Vertrag von Versailles verbitterte das Volk. Dazu kamen so bisher nicht gekannte Belastungen in Politik und Wirtschaft mit einem zunehmend vergifteten innenpolitischen Klima.

In dieser zerrissenen Zeit entstand ein lockeres Glaubentreffen unter freiem Himmel - bis dahin geradezu unvorstellbar. Damit wollte man die Versöhnungsbotschaft der Bibel auf eine für damalige Verhältnisse geradezu unerhört neue Art unter die Menschen bringen. Man wollte bewusst hin zu den Menschen. Heute, wo im Bereich der württembergischen Landeskirche Gottesdienste unter freiem Himmel ("Kirche im Grünen") von Frühjahr bis Herbst fast flächendeckend angeboten werden und sich unverändert wachsender Teilnehmerzahlen erfreuen, ist es kaum mehr nachvollziehbar, was für ein Wagnis seinerzeit der erste Gottesdienst dieser Art auf dem Jusi war.

Das Who-is-Who des Pietismus

Seit seinem Beginn - klein und bescheiden - hat der ansprechende Mix von geistlicher Zurüstung, persönlicher Begegnung und privatem Austausch wachsende Anziehungskraft entfaltet. Seit 1919 hat es die Feier alle Jahre auf dem landschaftlich reizvollen und geologisch wie botanisch interessanten 673 Meter hohen Jusi-Berg gegeben - selbst während Inflation, NS-Zeit, Krieg und Besatzungszeiten. Es ist neben den Treffen etwa im nahe gelegenen Hülben zu einem der großen überregionalen Angebote der württembergischen Pietisten geworden.

Es hat sich eingebürgert, die Treffen inhaltlich an der jeweiligen Jahreslosung auszurichten. In der Regel kommen zwei Referenten: vormittags wird mehr die Jugend angesprochen. Nach Darbietungen von Posaunen-, Männerchören und Singkreisen wird gegrillt oder das mitgebrachte Mittagessen eingenommen. Der Nachmittag ist dann als Gemeinschaftsfeier gestaltet: Dazu sind schon evangelistische Starprediger aus dem gesamten deutschsprachigen Raum auf den Jusi gekommen. Die Rednerliste liest sich wie das Adelsverzeichnis des Pietismus.

Auch wenn evangelistische Ansprachen, Glaubenszeugnisse und die persönliche Begegnung den Jusi-Treffen von Anfang an das Gepräge gaben, so waren sie doch immer mehr als lediglich ein Treffen der Frommen. So wollte die anfangs vollkommen neue Art der zwanglosen Gottesdienste unter freiem Himmel in den wirren Zeiten damals die Menschen ansprechen und den oft von Krieg und Nachkrieg Entwurzelten Halt und Orientierung vermitteln. Später verschoben sich die inhaltlichen Schwerpunkte: In den 1920er Jahren mit ihren wirtschaftlichen Nöten trat mehr der Familiencharakter in den Vordergrund, im neuheidnischen "Dritten Reich" warnten die Redner vor platten Propagandaphrasen und verwiesen unaufdringlich auf die biblische Heilsbotschaft. Nach dem Zweiten Weltkrieg versuchte man, der um sich greifenden Säkularisierung entgegenzuwirken. 

Glauben im Grünen

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Kirche auf der Bundesgartenschau
Noch bis Anfang Oktober hat die Bundesgartenschau in Heilbronn ihre Türen geöffnet. Traditionell beteiligen sich auch die Kirchen aktiv am Programm - etwa mit Führungen über das Schaugräberfeld. Im Kirchengarten warten neben regelmäßigen spirituellen Impulsen und Gottesdiensten auch Konzerte, Mitmachaktionen, Vorträge und Diskussionen auf die Besucher. Oder man kann einfach verweilen, "vespern" und sich durch die Anlage des Gartens inspirieren lassen. Ideal für einen Sommerausflug.

Gott, Musik und Bodensee

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Gottesdienst an Bord des Kirchenschiffes.

© epd-bild/ Leonie Mielke

Die Plätze an Bord des Kirchenschiffes sind begehrt: Besucher mit Anmeldung steigen in Bodman ein. Sind dann noch Plätze frei, können weitere Gäste spontan in Überlingen zusteigen.

"Kirchenschiff" bietet ökumenische Gottesdienste auf dem Schwäbischen Meer an
Ein besonderes kirchlich-touristisches Angebot gibt es jeden Sommer auf dem Schwäbischen Meer. Auf einem "Kirchenschiff" werden Gottesdienste mit Blick auf das Alpenvorland und die untergehende Sonne veranstaltet. Der Andrang ist immer groß.

Ein Sonntagabend im Juli, kurz nach 18 Uhr: Leichtes Gedränge herrscht beim Zustieg auf das Boot "MS Großherzog Ludwig" in Bodman (Landkreis: Konstanz). Vor allem Frauen über 50, hübsch gemacht mit Kleidern und großen Ketten, sind darunter. Sie besuchen den ersten ökumenischen Gottesdienst dieses Jahres auf dem "Kirchenschiff" im Bodensee.

Seit 2013 fährt das "Kirchenschiff" drei bis fünf Mal pro Sommer über den Untersee, den kleineren der beiden Bodenseearme, und bietet einen Gottesdienst mit Sonnenuntergang sowie Bar an. Gestaltet wird das Angebot der Evangelischen Landeskirche in Baden und des Erzbistums Freiburg immer von einem evangelischen und einem katholischen Seelsorger. Zudem gibt es jedes Mal eine andere musikalische Begleitung, mal eine Band, ein klassischer Chor oder Gospel.

Erstmals dabei ist auch das Ehepaar Martha und Bernhard Lehn aus der Konstanzer Gemeinde Orsingen. Die katholischen Kirchgänger sind gemeinsam mit Freunden dort, die das "Kirchenschiff" schon von den vergangenen Jahren kennen. "Das Format ist eben mal was ganz anderes", erklärt Bernhard Lehn seine Lust auf "maritime Gottesdienste".

Bei dem Gottesdienst unter Deck wird viel gesungen.

Der Gottesdienst selbst findet unter Deck statt. Vor allem Seniorinnen sitzen auf den dort aufgestellten Stühlen und fächeln sich bei Apfelschorle oder Weißwein mit tragbaren Mini-Ventilatoren kühle Luft zu. Andere Gäste sitzen auf der Dachterrasse, dem Bug oder dem Heck. Sie folgen der Predigt über Lautsprecher und genießen den Blick auf das Alpenvorland und den Sonnenuntergang.

Plätze bereits seit Mai vergeben

"Der Andrang ist immer groß". erzählt Heike Schuster, Tourismusreferentin der evangelischen Kirchenbezirke am westlichen Bodensee. Die buchbaren Plätze für alle Fahrten 2019 seien schon seit Mai vergeben. Besucher mit Anmeldung steigen in Bodman ein. Sind dann noch Plätze frei, können weitere Gäste spontan in Überlingen zusteigen.

Heike Schuster, Tourismusreferentin der evangelischen Kirchenbezirke am westlichen Bodensee, und ihr katholischer Kollege Jean-Pierre Sitzler organisieren die Fahrten.

Mit dem "Kirchenschiff" erreichten sie Einheimische und Touristen, Gläubige und Kirchenzweifler, erzählt Schuster. Darunter seien auch viele, die sich als Christen betrachten, aber aus der Kirche ausgetreten sind, weil sie sich mit der Institution schwertun. "Sie sagen, dass sie bei dem Bodensee-Gottesdienst die Lebensnähe finden, die sie im Kirchenraum vermissen", berichtet Schuster. Die evangelische Pfarrerin Kristina Wagner, die an diesem Abend predigt, ergänzt: "Durch das 'Kirchenschiff' bringen wir das Evangelium an einen Ort, an dem die Menschen schon sind." Rund 200 Besucher könne das Schiff aufnehmen.

Ein Elternpaar, das mit seinen beiden erwachsenen Töchtern den Gottesdienst schon seit Beginn der Fahrten besucht, erklärt: "Der Gottesdienst ist eine super Kombi aus Lobpreisung Gottes, Musik und Bodensee."Ähnlich sehen das auch die 23-jährige Anna Hopstock aus Weimar und die 29-jährige Christina Hansen aus Salem mit ihren Freunden.

Die vier Freunde Anna Hopstock, Johannes Kürschner, Caspar Hopstock und Christina Hansen fühlen sich Gott auf dem Bodensee näher.

Beide Protestantinnen genießen den Abend sehr, sagen sie. "Auf dem See fühle ich mich Gott näher", erklärt Hopstadt, und Hansen ergänzt: "Von hier aus hat man noch einmal eine ganz andere Perspektive auf das Leben als von einem Kirchraum aus."

Auch das Ehepaar Lehn bewertet seine erste Fahrt mit dem Kirchenschiff positiv. "Sehr eindrucksvoll", sagen sie. Im nächsten Jahr wollen sie wieder dabei sein. Kurz vor 21 Uhr legt die "MS Großherzog Ludwig" wieder am Startpunkt an.

Predigt-Thema wird auf ebay versteigert

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Jonas Goebel

©Ulf Buschmann

Pastor Jonas Goebel versteigert das Thema der Predigt, die er am 29. September halten wird, im Internet.

Eine Predigt für den Meistbietenden? Eine Hamburger Kirchengemeinde wagt ein Experiment auf der Internetplattform Ebay.

Auf der Internetplattform Ebay soll vom 8. bis 18. August die Predigt für einen Gottesdienst in der Gemeinde in Hamburg-Lohbrügge ersteigert werden können. Die Nutzer können dort vorschlagen, worüber Pastor Jonas Goebel am 29. September predigen soll. Jedes Thema sei erlaubt, sagte der Theologe der "Evangelischen Zeitung". Nur bei menschenverachtenden Vorschlägen behalte er sich vor, das Thema abzulehnen und das Geld nicht anzunehmen.

Die Ebay-Aktion beginnt bei einem Euro. Wer am meisten bietet, gewinnt. Die Auktion ist öffentlich. Mitbieten kann daher jeder Ebay-Nutzer, selbst wenn er weder die Gemeinde besucht noch in der Nähe wohnt. Als Podcast und mit einer kurzen Videozusammenfassung gibt es Goebels Predigten ohnehin im Internet, so dass der Sieger der Ebay-Auktion das Ergebnis verfolgen kann. Das Geld geht in die Kollekte des Sonntags. Wofür gesammelt wird, steht noch nicht fest.

Der Ebay-Gottesdienst ist Teil einer neuen Reihe in der Auferstehungskirche der Gemeinde Lohbrügge. Immer, wenn es einen fünften Sonntag im Monat gibt, soll ein Gottesdienst-Experiment stattfinden. Goebel möchte Konzepte ausprobieren, die es in der Gemeinde in Lohbrügge bislang noch nicht gab, etwa einen Gottesdienst ohne Musik, einen Bibliolog oder eine Thomas-Messe mit verschiedenen Stationen innerhalb der Kirche. Goebel hofft, mit der Aktion die Kirche im Stadtteil bekannter zu machen und neue Besucher zu gewinnen.

Der langsame Abschied vom Sonntag

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Verkehrsschilder auf Gottesdienste

© commons.wikimedia.org/wikipedia

Der Sonntagmorgengottesdienst hat seit Jahren schon nicht mehr seine klassische Funktion als "Mitte der Gemeinde".

Die EKD empfiehlt Gemeinden in einer aktuellen Studie, offen über den Fortbestand des Sonntaggottesdienstes nachzudenken. Doch Kritiker meinen, ein Abschied vom traditionellen Gottesdienst am Sonntag wäre die Preisgabe der eigenen Sichtbarkeit.

Vielen fallen die Schilder kurz hinter dem Ortseingang nicht mehr auf, aber noch stehen sie da: Sie zeigen eine lilafarbene oder gelbe stilisierte Kirche - und die sonntägliche Gottesdienstzeit. Meistens steht dort 10 Uhr. Doch mit der stählernen Selbstverständlichkeit eines Verkehrsschildes könnte es in Zukunft vorbei sein. Vielleicht ist in Zukunft keine Uhrzeit mehr, sondern nur noch "Gottesdienst nach Vereinbarung" dort zu lesen.

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hat ihren Gemeinden jüngst in einer Studie empfohlen, über den Fortbestand des Sonntagsgottesdienstes offen zu diskutieren. Für viele sei der traditionelle Sonntagsgottesdienst - so das Ergebnis der Studie - nicht (mehr) attraktiv. "Angesichts schwindender personeller und finanzieller Ressourcen, vor allem aber mit Blick auf die geringe Reichweite sollte vielerorts engagierter und ergebnisoffener über seinen Fortbestand diskutiert werden", heißt es in der Untersuchung "Faktoren des Kirchgangs" der Liturgischen Konferenz der EKD.

Auch der Cheftheologe im EKD-Kirchenamt, Thies Gundlach, findet es in Ordnung, den Sonntagsgottesdienst hier und dort in Frage zu stellen. "Die Rede vom Verlust des Sonntagsgottesdienst funktioniert immer auch ein wenig nach dem Motto 'Wann wird es wieder so, wie es noch nie war'. Denn der Sonntagmorgengottesdienst hat seit Jahren schon nicht mehr seine klassische Funktion als 'Mitte der Gemeinde'", sagt Gundlach.

Zielgruppen-Veranstaltung

Etwa 734.000 Menschen besuchen nach Angaben der EKD im Schnitt in Deutschland jeden Sonntag einen evangelischen Gottesdienst. Das entspricht etwa drei Prozent der Evangelischen. Diese Quote hält sich seit Jahrzehnten auf diesem Niveau. Der Sonntagsgottesdienst war also schon immer nur für eine Minderheit der evangelischen Christen interessant. Dennoch ist er für das negative Image des Gottesdienstes ausschlaggebend.

Die Studienautoren um die Göttinger Theologin Julia Koll haben herausgefunden, dass der Sonntagsgottesdienst vor allem ein Zielgruppengottesdienst für ehrenamtliche Mitarbeiter und hochverbundene Kirchenmitglieder ist. EKD-Cheftheologe Gundlach nennt ihn "eine intensive Identitätsvergewisserung". Daher sei es aber auch keine Selbstaufgabe, wenn diese Vergewisserung des Glaubens nicht an jedem Sonntag an jedem Ort stattfindet, sagt Gundlach. Jede Gemeinde könne und müsse daher "in theologisch begründeter Freiheit" selbst entscheiden, wie viel Kapazität sie für einen regelmäßigen Sonntagsgottesdienst aufwendet und wie viel für andere Gottesdienste. Natürlich geht es nicht darum, den Gottesdienst aufzugeben. Stattdessen wächst die Bedeutung anlassbezogener und zielgruppenspezifischer Gottesdienste, um mehr Menschen zu erreichen.

Für den Bonner Theologen Michael Meyer-Blanck, der zwar als Vorsitzender der Liturgischen Konferenz an der Entstehung der Studie beteiligt war, sie aber nicht mitverfasst hat, wäre es fatal, beim Sonntagsgottesdienst ein Rückzugsgefecht anzutreten. Er sei so etwas wie der performative Kirchturm, die "Repräsentanz des Evangeliums in der Gesellschaft", sagt er. "Sonntags um zehn müssen die Glocken läuten, auch wenn ich gerade gemütlich beim Frühstück mein Ei aufschlage und nicht zum Gottesdienst gehe", sagt er. Außerdem müsse es den agendarischen Gottesdienst für die in der Kirche engagierten Leute weiterhin geben. Sie seien nach wie vor eine Kernzielgruppe. "Wir müssen den Sonntagsgottesdienst so stark wie möglich machen und auch die Hochverbundenen in der Kirche stärken. Sie wirken als Multiplikatoren", sagt Meyer-Blanck.

Kürzer und professioneller

Auch der Münsteraner Religionssoziologe Detlef Pollack hält ein Abrücken von der unverwechselbaren Gottesdienstzeit am Sonntagmorgen für gefährlich. Schließlich sei der Sonntag der heilige Tag. Aus der Religionsgeschichte wisse man außerdem um die Bedeutung von religiösen Routinen und Gewohnheiten. Wer einen Gottesdienst besuchen will, müsse sich auf Ort und Zeit verlassen können.

Pollack regt an, die Gottesdienste attraktiver zu machen. Regelmäßig geben Kirchenmitglieder in Umfragen an, in den Gottesdienst zu gehen, obwohl sie dort nicht auftauchen. Das weist nach Pollacks Auffassung auf ein Mobilisierungspotenzial hin. "Wir müssen es den Menschen leichter machen, in einen Gottesdienst zu gehen", sagt Pollack. Etwa indem man die Gottesdienste kürzer mache. Wichtig sei auch, die Gottesdienste so professionell wie möglich zu gestalten, was Predigt und Musik angeht. "Gottesdienste sind eine sehr komplexe Angelegenheit."

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